Das Lernen auf Prüfungen, Schulaufgaben, Exen (Wahnsinn ist das schon lange her!) war noch nie wirklich mein Ding. Ich konnte mich selbst nie als Streber bezeichnen, der sich nach dem Unterricht daheim sofort hinsetzt und das eben erlernte nochmals in stundenlanger Lernarbeit vertieft. Nein, das war ich wirklich nicht. Bei mir lief es eigentlich schon immer nach dem Panik-Prinzip ab: "Mist, nur noch wenige Tage... jetzt heißt es aber was tun!"
In wenigen Tagen steht die letzte Prüfung zum Technischen Fachwirt bei mir an - Industrielles Rechnungswesen und Controlling - und auch diesmal ging ich nach dem mehr oder weniger bewährten Panik-Prinzip an die Sache ran.
Doch während ich zwischendurch völlig entnervt und mit rauchendem Kopf die Bücher zugeschlagen habe, kurz davor war den Block in die Ecke zu schmeißen stellte sich mir die alles entscheidende Frage: "Für wen mache ich das eigentlich alles?" Also zurücklehnen und überlegen! Da viel mir ein Satz aus meiner früheren Schulzeit, z. B. Realschulzeit ein, da hieß es immer von Verwandtschaft, Eltern und Bekannten: "Du lernst nicht für uns sondern für Deine Zukunft und Dein Leben!" Soso, für mein Leben... mittlerweile bin ich doch schon 12 Jahre aus der Schule raus, aber in einer Situation in der es um alles ging - hop oder top, jetzt oder nie, da Gschwinda is da Gsünda - die Berechnung eines Logarithmus half mir da noch nie weiter. Also, für wen lernt man denn dann? Wann brauche ich wirklich die Berechnung des Stückdeckungsbeitrages, das Verwurschteln der im Fuhrpark anfallenden Kosten auf andere Kostenstellen?
Genau... dann kam mir die logischste aller Antworten: In manchen Fällen lernt man nicht für sein Leben, für seine Eltern oder Lehrer... NEIN, man lernt nur für die Prüfung, die alles entscheidenden 90 min. in denen man alles gibt, das ganze mühsam eingetrichterte Wissen abruft um es ab der 91. Minute, wenn alles vorbei ist, schnell wieder zu vergessen!
Falls ihr auch vor Prüfungen steht, toi,toi, toi und viel Glück!
Euer scheinheiliger Prüfling
Christian

Servus, du scheinheiliger Lerner. Also Fakt ist doch mal gleich: Man lernt für's Leben, weil wir in einer so tollen Leistungsgesellschaft leben. Wer lernt, der bekommt tolle Noten, tolle Noten bringen dir einen tollen Job bei Siemens. Bei Siemens zahlst dann in die Betriebsrentenversicherung ein und bist Mitglied bei der tollen AOK - Pflicht natürlich. Die Betriebsrentenkasse wird dann aber von tollen Managern versoffen und die AOK Beiträge von den tollen Politikern. Am Ende hast keine Rente und keine Krankenversicherung und Siemens schmeißt dich eh raus. Und jetzt... hmmm gute Noten interessieren keinen mehr... Plötzlich musst du überlegen was du so machen könntest. Das hat man aber nirgends gelernt, weil wir doch einer so tollen Gesellschaft sind. Also lieber gleich entspannen, relaxt eine Prüfung schreiben und schaun was da so kommt. Das Leben ist dann eh anders als man denkt. Gesundheit, wenig CO2, ein paar Solarzellen und alles wird gut.
Kommentiert von: Professor Hannes | Mai 17, 2007 um 06:56 nachm.